Take off

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Ich habe ein richtiges Coaching-Erlebnis im Flug der MA 660 nach Amsterdam: weg von dem Boden gelange ich immer ferner von meinen alltäglichen Sorgen und in einer Höhe von 10 000 Metern haben sie fast keine Bedeutung mehr.

Ich mag nicht fliegen, aber mein Neugier nach dem Unbekannten ist stärker und während ich meine Angst versuche zu besiegen, konzentriere ich mich intensiv auf die erhofften Reiseerlebnisse.

Amsterdam … ich koste den Klang des Wortes. Ausnahmsweise habe ich diesmal aus keinerlei Reisebüchern über Holland vorbereitet, sondern ich lass’ mich von der Metropole überraschen.

Die Herkunft des Wortes mag – aufgrund der verwandten deutschen Sprache –aus dem Wort „Damm” stammen, und „Amster” einen Fluss oder einen Ort bedeuten. Mal sehen, ob ich Recht habe?

Ich mag zwar in der Luft nicht fliegen, aber auf den Flügeln der Fremdsprachen in die Welten anderer Kultruren um so mehr und ich muss dazu nicht einmal die Sicherheit des Bodens verlassen.

Für einen Ungarn, dessen Muttersprache mit keiner anderen bekannten Sprache in Verbindung gesetzt werden kann, ist es ein besonders spannendes Gefühl unter die Haut einer Person aus einem fremden Land „hinüberzuziehen” und durch die Sprache nicht nur seine Worte, sondern auch seine Gedanken und Gefühle zu verstehen, zu begreifen, was und warum er manches anderswie tut, wie wir es in unserer wohlbekannten kleinen „ungarischen” Welt es gewohnt sind.

(Nicht zu sprechen über das unvergleichbare Erlebnis, wenn man die Werke von Goehte, Schiller, Tschechow, oder Puschkin in Originalsprache lesen kann.)

Wie hängt das mit dem Coaching zusammen?

Ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache seit über 10 Jahren für Kinder und Erwachsene. Außer Deutsch hatte ich die Möglichkeit, drei andere Fremdsprachen kennen zu lernen.

Meine Lehrlinge und ihre Eltern fragen mich oft: „Die deutsche Sprache ist sehr schwer, nicht wahr?” Was kann man darauf antworten? : Alles scheint nur solange schwierig zu sein, bis wir die Antworten auf die „Warum?”-s nicht wissen, bis man die Kultur und Gedankenwelt des Volkes nicht begreift, dessen Sprache wir erlernen möchten. Bis dahin bleibt die Begabung des fließenden Sprechens nur ein fernbleibendes Ziel ohne Erfüllung.

Die Lehrlinge haben ein starkes Verlangen nach der Einübung von grammatischen Regeln. Ich habe doch die Erfahrung, dass es umsonst ist, sich bloß mit langweiligen Grammatikübungen zu quälen, da im Sprechen – trotz den Anstrengungen – viele Fehler gemacht werden.

Die Schüler/Innen und ihre Lehrer/Innen können unter zahlreichen Sprachbüchern wählen. Es erscheinen beinahe jeden Monat trendy Sprachbücher, die wir zum Haufen Geld kaufen, und uns im besten Fall über die Lektionen durchkämpfen, aber die erlernten grammatischen Formeln in Scharfsituationen nur mühsam angewandt werden können.

Es muss doch eines der wichtigsten Ziele für die Sprachschüler/Innen werden, sich klar und fließend ausdrücken zu können. Es hängt ja oft davon ihre Existenz oder der Erwerb des erwünschten Jobs ab.

Das Coaching hat mir die Didaktik des Fremdsprachenunterrichtes in eine ganz andere Perspektive gesetzt.

Für das Sprachenlernen mit Coaching-Techniken braucht man nur fortgeschrittene Sprachkenntnisse und eine offene Persönlichkeit. Während des Unterrichts kann sich der/die Coachee seine/ihre Frustrationen loswerden, und kann somit auch die Gedankenwelt der anderen Kultur mittels der erlernten Ausducksformen besser verstehen. In diesem Fall soll er/sie über die grammatischen Regeln nicht nachdenken, es kommt später mit dem Sprechen automatisch, ähnlich wie das Kind seine Muttersprache von seiner Mutter erlernt. (Das Kind versteht sich mit der Außenwelt anfangs durch die Taten, die seine einfachen Worte ausgelöst haben, und seine Worte werden auch dann verstanden, wenn sie grammatisch nicht korrekt sind.)

Darüber hinaus hat der/die Sprachschüler/In die Gelegenheit, im Coaching-Unterricht straflos über solche Themen zu reden, über die er/sie früher nicht einmal in seiner Muttersprache konnte.

Die richtige Fragetechnik, die aufrichtige Zuwendung des Lehrer-Coach, die Tatsache, dass ihn/sie nicht nur die Sprachkenntnisse des Coachee interessiert, sondern auch seine/ihre Persönlichkeit, wie seine Träume und Pläne sind und wie er sie verwirklichen will. All das löst die Frustrationsgefühle, die die Geläufigkeit des Sprechens in einer Fremdsprache früher verhindert hat.

Ildikó Mészáros

Deutschlehrerin und Coach

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